Lyrik

Frau am Steuer

Im Verkehr, auf dem Asphalt
Lauern tausende Gefahren
Kreisverkehre, Schilderwald
Und das Reißverschlussverfahren

Doch die größten stehen schick
Gut gelaunt am Strassenrand
Mann am Steuer, Frau im Blick
Fährt den Wagen an die Wand

Ergo: Das Problem an sich
Wurde bisher stets verkannt
Ist die Frau am Steuer nicht
Sondern die am Wegesrand


Die Präzision

Die deutsche Sprache ist zumeist
Im Ausdruck sehr präzise
So half sie manchem großen Geist
In schöpferischer Krise

Dem Philosoph beim Konstruiern
Dem Medikus beim Heilen
Reformern, klar, beim Reformiern
Und Kostenumverteilen

Dem Theologen beim Verführn
Dem Dichter beim Verdichten
Dem Göbbels half sie propagiern
– Dem Zuhörer, dem schlichten

Dem hilft sie nicht, der ist ihr gleich
So ist sie und so war sie
Sie unterscheidet arm und reich
Präzise ist sie – quasi


Fensterlied

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Dein Blick wirkt perfekt inszeniert
Ich weiß nicht mal, ist es Dir wichtig
Was draußen vor’m Fenster passiert

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Und rauchst Zigaretten dabei
Vernebelst den Raum und die Sinne
Und glaubst die Gedanken sind frei

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Und klopfst mit den Fingern im Takt
Ich frage mich, fühlst Du dich heimisch
Oder hast Du schon lange gepackt?

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Und siehst Dir Dein Spiegelbild an
Es scheint so, als wolle es fragen
Wie fühlt es sich draußen wohl an?

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Du lächelst und weißt nicht wieso
Das Schauspiel, das Dir dort geboten
Ist Deine Reality-Show

Da sitzt Du und schaust aus dem Fenster
Ich zieh die Gardinen Dir zu
Du sagst, das Leben da draussen
Es lasse Dir oft keine Ruh

Und morgen schaust Du aus dem Fenster
Sitzt da nur und findest es schön
Vermessen wär ich Dir zu raten
Doch selber nach draussen zu gehen